Der digitale Nachlass
E-Mail-Konten, Fotos in der Cloud, Facebook, laufende Abos. Das wirkt wie ein eigener Berg - ist aber der Teil, der am wenigsten eilt.
Nichts davon muss diese Woche passieren. Und fast nichts davon geht verloren, wenn ihr wartet.
Wenn du gerade nicht mehr kannst: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr da, kostenlos und anonym. 0800 111 0 111
Die Reihenfolge, die euch Ärger erspart
- Sammeln, nicht handeln. Schreibt erst einmal nur auf, welche Konten es gibt. Das Handy und ein Jahr Kontoauszüge zeigen fast alles: Abos, Cloud-Speicher, Streaming, Zeitungen.
- Sichern vor löschen. Fotos und Nachrichten zuerst herunterladen. Löschen könnt ihr später jederzeit, wiederherstellen meistens nie.
- Das E-Mail-Konto zuletzt. Über diese Adresse laufen die Zugänge zu fast allem anderen. Wer damit anfängt, macht sich jeden weiteren Schritt schwerer.
- Was Geld kostet, zuerst. Laufende Abos werden weiter abgebucht. Die kündigt ihr zuerst - alles Persönliche hat Zeit.
Das Recht ist auf eurer Seite
Viele Anbieter mauern zunächst. Dabei ist die Rechtslage in Deutschland seit 2018 klar: Der Vertrag über ein Nutzerkonto geht wie jeder andere Vertrag auf die Erben über, und die Erben können vom Anbieter Zugang zum Konto samt Inhalten verlangen. Der Bundesgerichtshof hat das für ein soziales Netzwerk entschieden und digitalen Nachlass ausdrücklich dem analogen gleichgestellt: Ein Tagebuch erbt man, eine Chatgeschichte auch. Quelle: BGH, Urteil vom 12.07.2018 - III ZR 183/17, §1922 BGB.
Praktisch heißt das: Wenn du Erbe bist, darfst du fragen, und du darfst hartnäckig sein. Es heißt nicht, dass jeder Anbieter das von sich aus anbietet - die Wege unten sind trotzdem der schnellere Weg.
Anbieter für Anbieter
Zuletzt gegen die Hilfeseiten der Anbieter geprüft am 22.08.2026. Diese Seiten ändern sich häufiger als Gesetze - wenn ein Weg nicht mehr stimmt, sag uns bitte Bescheid.
Google, Gmail, Google Fotos, YouTube
Falls vorgesorgt wurde
Der Kontoinaktivität-Manager. Damit legt man zu Lebzeiten fest, nach welcher Zeit ohne Anmeldung bis zu zehn Vertrauenspersonen benachrichtigt werden - wahlweise nur mit einer Nachricht oder zusätzlich mit einem Download-Link auf ausgewählte Daten aus Drive, Gmail oder YouTube.
Falls nicht
Google arbeitet nach eigener Auskunft mit nahen Angehörigen und Bevollmächtigten zusammen, um ein Konto zu schließen, und gewährt unter bestimmten Umständen Zugriff auf Inhalte. Beides läuft über ein Antragsformular, jeder Fall wird einzeln geprüft. Rechne mit Wochen, nicht mit Tagen.
Das brauchst du dafür
- Die genaue Gmail-Adresse der verstorbenen Person
- Die Sterbeurkunde
- Deinen eigenen Ausweis
Was nicht geht: Ein Konto wird nicht einfach übergeben. Und: Google behält sich vor, Konten zu löschen, die mindestens zwei Jahre gar nicht genutzt wurden. Wer Fotos oder Mails sichern will, sollte das nicht jahrelang aufschieben.
Quelle: Google-Hilfe: Kontoinaktivität-Manager, geprüft am 22.08.2026.
Apple, iCloud, iPhone-Fotos
Falls vorgesorgt wurde
Der Nachlasskontakt. Man benennt zu Lebzeiten eine oder mehrere Personen und gibt ihnen einen Zugriffsschlüssel - als QR-Code, per iMessage oder ausgedruckt. Apple selbst rät, den Ausdruck zu den Nachlassunterlagen zu legen. Genau dort lohnt sich das Nachsehen.
Falls nicht
Für die Zugriffsanfrage verlangt Apple den Zugriffsschlüssel zusammen mit der Sterbeurkunde. Sucht den Schlüssel deshalb zuerst in den Papieren, bevor ihr einen anderen Weg versucht. Findet sich keiner, hilft nur die Anfrage beim Apple-Support - was dann möglich ist, entscheidet Apple im Einzelfall.
Das brauchst du dafür
- Den Zugriffsschlüssel
- Die Sterbeurkunde
Was nicht geht: Auch mit Zugriffsschlüssel gibt es nicht alles. Gekaufte Filme, Musik, Bücher und Abos bleiben außen vor, ebenso alles im iCloud-Schlüsselbund - also die gespeicherten Passwörter und Zahlungsdaten. Wer mehrere Nachlasskontakte benannt hat: Jeder von ihnen kann einzeln entscheiden, auch das endgültige Löschen.
Quelle: Apple Support: Nachlasskontakt hinzufügen, geprüft am 22.08.2026.
Falls vorgesorgt wurde
Zwei Wege, beide in den Kontoeinstellungen unter Gedenkzustand: einen Nachlasskontakt bestimmen, der das Profil danach betreut - oder festlegen, dass das Konto nach dem Tod sofort und vollständig gelöscht wird.
Falls nicht
Wurde nichts festgelegt, versetzt Facebook das Profil in den Gedenkzustand, sobald es vom Tod erfährt. Den Antrag darauf kann jede Person mit den passenden Nachweisen stellen. Die vollständige Entfernung dagegen können nur nahe Angehörige beantragen.
Das brauchst du dafür
- Einen Todesnachweis, etwa die Sterbeurkunde oder den Link auf eine Traueranzeige
- Für die Löschung zusätzlich einen Nachweis, dass du nahe angehörig bist
Was nicht geht: In ein Profil im Gedenkzustand kann sich niemand mehr anmelden, und ohne vorher benannten Nachlasskontakt lässt sich daran nichts mehr ändern. Wichtig bei Vereinen und kleinen Betrieben: Seiten, deren einziger Admin das Profil im Gedenkzustand hat, werden entfernt; Gruppen mit nur einem Admin werden pausiert. Klärt das vorher, wenn eine Vereinsseite daran hängt.
Quelle: Facebook-Hilfebereich: Was passiert nach meinem Tod mit meinem Profil?, geprüft am 22.08.2026.
So läuft es
Instagram kennt keinen Nachlasskontakt. Für den Gedenkzustand genügt eine berechtigte Anfrage mit Todesnachweis. Die Entfernung des Profils können nur unmittelbare Familienangehörige beantragen. Für beides gibt es je ein Formular.
Das brauchst du dafür
- Für den Gedenkzustand: einen Todesnachweis, etwa den Link auf eine Traueranzeige
- Für die Entfernung: Sterbe- und Geburtsurkunde der verstorbenen Person, oder einen Nachweis, dass du den Nachlass vertrittst
Was nicht geht: Zugangsdaten gibt Instagram nicht heraus, auch nicht an Angehörige. Sich mit fremden Zugangsdaten anzumelden, verstößt gegen die Richtlinien.
Quelle: Instagram-Hilfebereich: Profil einer verstorbenen Person melden, geprüft am 22.08.2026.
Microsoft, Outlook.com, OneDrive
So läuft es
Microsoft gibt grundsätzlich nichts an Nicht-Kontoinhaber heraus - für Deutschland gibt es aber einen besseren Weg als im übrigen Europa. Hier wenden sich Angehörige an den Kundensupport und legen die Unterlagen vor. Im restlichen Europa reagiert Microsoft nach eigener Auskunft nur auf förmliche Anordnungen, die an die Niederlassung in Dublin zugestellt werden. Wenn also jemand behauptet, da ginge nichts: In Deutschland geht es.
Das brauchst du dafür
- Die Sterbeurkunde
- Personalausweis oder Pass der verstorbenen Person
- Erbschein oder ein anderes Gerichtsdokument
- Deinen eigenen Ausweis oder eine beglaubigte Vollmacht
Was nicht geht: Microsoft sichert nichts zu: Auch mit vollständigen Unterlagen ist Unterstützung nicht garantiert. Und das Konto wird nicht auf euch übertragen - Passwort ändern oder das Konto weiterführen geht nicht.
Quelle: Microsoft Support: Zugriff auf Outlook.com, OneDrive und andere Dienste nach einem Todesfall, geprüft am 22.08.2026.
PayPal
So läuft es
Alles läuft über die Sterbefall-Abteilung, per E-Mail an europeanservices@paypal.com oder per Post nach Luxemburg. Ist kein Guthaben mehr auf dem Konto, genügen Sterbeurkunde, dein Ausweis und ein Begleitschreiben. Liegt noch Geld darauf, verlangt PayPal zusätzlich einen Nachweis, dass du den Nachlass zumindest in Finanzdingen vertreten darfst - und eine Anweisung, wohin das Guthaben gehen soll.
Das brauchst du dafür
- Ein Begleitschreiben, aus dem hervorgeht, dass der Kontoinhaber gestorben ist und dass du das Konto kündigen möchtest
- Angaben, mit denen PayPal das Konto findet: E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder Anschrift
- Eine unterschriebene Bestätigung, dass deine Angaben vollständig und richtig sind und du berechtigt bist
- Kopie der Sterbeurkunde und Kopie deines Lichtbildausweises
- Bei Restguthaben zusätzlich: Erbschein, gerichtlich bestätigtes Testament, Testamentsvollstreckerzeugnis, Bestallungsurkunde oder eine postmortale Vollmacht
Was nicht geht: Schick niemals Originale. PayPal vernichtet eingesendete Unterlagen nach der Prüfung und schickt nichts zurück. Sind mehrere Erben benannt, will PayPal von allen eine schriftliche Bestätigung, bevor überhaupt etwas passiert - klärt das vorher in der Familie, sonst liegt der Vorgang wochenlang.
Quelle: PayPal-Hilfe: Konto einer verstorbenen Person kündigen, geprüft am 22.08.2026.
Alle anderen Anbieter
Für den Rest gibt es einen Weg, der fast überall funktioniert: schreiben, Sterbeurkunde beilegen, um schriftliche Bestätigung bitten. Sucht auf der Seite des Anbieters nach „Todesfall“ oder „Kontoinhaber verstorben“ - fast alle größeren haben dafür ein eigenes Formular. Wenn ihr keins findet, geht der normale Kundendienst genauso.
Ausdrücklich noch nicht einzeln geprüft haben wir Amazon, WhatsApp, Telekom, GMX und Web.de. Wir schreiben hier nichts auf, was wir nicht bei den Anbietern selbst nachgelesen haben - lieber eine Lücke als eine Angabe, auf die ihr euch nicht verlassen könnt. Für diese Anbieter gilt bis dahin der Weg hier drunter.
Als Nachricht an jeden Anbieter
Sehr geehrte Damen und Herren, [Name], Kundennummer [Nummer], ist am [Datum] gestorben. Ich bin Erbe und bitte Sie, das Konto zu [schließen / in meinen Namen zu übertragen] und mir vorher die gespeicherten Daten zur Verfügung zu stellen. Eine Kopie der Sterbeurkunde liegt bei. Bitte bestätigen Sie mir schriftlich, was Sie veranlasst haben.
Was in eckigen Klammern steht, setzt du ein.
Das geht oft schief: Erst löschen lassen, dann merken, dass die Fotos dort lagen. Bitte immer zuerst um die Daten und erst danach um die Schließung - in derselben Nachricht, in dieser Reihenfolge.
Für dich selbst, irgendwann
Wenn du das hier gerade für jemand anderen durchmachst, weißt du jetzt, wie viel Arbeit fehlende Vorsorge macht. Zwei Einstellungen, zehn Minuten, und deinen Angehörigen bleibt das erspart: der Kontoinaktivität-Manager bei Google und der Nachlasskontakt bei Apple oder Facebook. Beides steht oben beschrieben. Aber nicht heute.
Das hat alles Zeit. Wirklich.