Eine Traueranzeige schreiben
Für viele ist das die schwerste Schreibaufgabe ihres Lebens. Sie muss weder heute fertig sein noch überhaupt sein.
Es gibt keine Pflicht zur Traueranzeige und keinen Termin dafür. Auch nach der Bestattung ist sie nicht zu spät.
Wenn du gerade nicht mehr kannst: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr da, kostenlos und anonym. 0800 111 0 111
Was hineingehört
Fünf Bausteine, in dieser Reihenfolge. Mehr braucht es nicht, und alles darüber hinaus ist freiwillig.
- Der Name, so wie ihn alle kennen.
- Die Lebensdaten, Geburtstag und Sterbetag.
- Ein Satz. Dazu unten mehr, er ist der eigentliche Kern.
- Die Namen der Angehörigen.
- Ort und Zeit der Trauerfeier, falls es eine gibt.
Ein Gerüst zum Ausfüllen
Zum Kopieren und Ausfüllen
[Name] [geboren am] - [gestorben am] [Ein Satz, der zu ihm oder ihr passt.] [In Liebe / In Dankbarkeit / Im Namen aller Angehörigen] [Namen] Die Trauerfeier findet am [Datum] um [Uhrzeit] in [Ort] statt.
Was in eckigen Klammern steht, setzt du ein. Wenn ein Baustein nicht passt, lass ihn weg.
Der eine Satz in der Mitte
Hier suchen die meisten nach einem Gedicht. Das ist verständlich, und es ist meistens der Umweg. Ein Satz, den die Person selbst oft gesagt hat, trägt weiter als jedes Zitat aus dem Internet. Etwas, worüber gelacht wurde. Etwas, das typisch war.
Wenn dir nichts einfällt, frag jemanden aus der Familie, woran er zuerst denkt. Meistens kommt der Satz dann von selbst. Und wenn er nicht kommt, ist auch das in Ordnung: Name, Daten und Termin sind eine vollständige Anzeige.
Warum hier keine Sprüche stehen: Die meisten bekannten Trauersprüche sind urheberrechtlich geschützt. Sie einfach abzudrucken wäre für uns nicht zulässig, und für euch wäre der eigene Satz ohnehin der bessere.
Die Namen: hier gibt es am ehesten Streit
Wer genannt wird und in welcher Reihenfolge, ist der Punkt, an dem in Familien am häufigsten etwas schiefgeht. Nicht weil jemand böse ist, sondern weil eine Anzeige öffentlich macht, wer wie nah stand.
Üblich ist: erst die Ehepartnerin oder der Ehepartner, dann die Kinder mit ihren Partnern, dann die Enkel, dann weitere Angehörige. Das ist eine Gewohnheit, keine Regel. Wichtiger als die Reihenfolge ist, dass ihr vorher kurz miteinander sprecht. Zehn Minuten am Telefon ersparen hier oft Jahre.
Wer nicht namentlich genannt werden möchte, wird nicht genannt. Und „im Namen aller Angehörigen“ ist eine vollkommen übliche Lösung, wenn die Liste zu lang oder zu heikel wird.
Zeitung, online oder beides
In der Zeitung erreicht ihr die Generation, die dort noch nachsieht, und das ist bei älteren Verstorbenen oft genau der richtige Kreis. Online erreicht ihr alle anderen und könnt den Text später noch ändern.
Zeitungsanzeigen werden nach Größe abgerechnet, und der Unterschied zwischen einer kleinen und einer großen Anzeige ist erheblich. Fragt vorher nach dem Preis, nicht nachher. Schalten kann sie der Bestatter für euch, das ist der übliche Weg und erspart euch den Kontakt zur Anzeigenabteilung.
Was danach kommt
Auf eine Anzeige folgen Karten, Anrufe und Blumen. Irgendwann kommt die Frage nach der Danksagung - auch die hat keinen Termin. Der vollständige Ablauf mit allem, was sonst noch ansteht, steht im Fahrplan.
Wenn heute kein Satz kommt, kommt er morgen. Die Anzeige wartet.